Lebensplätze für ehemalige Sportpferde

Text: Barbara Stolz Würgler
Bilder: Paco Carrascosa
Umsetzung: Marco Huwyler

Text: Barbara Stolz Würgler
Bilder: Paco Carrascosa
Umsetzung: Marco Huwyler

Rennpferde werden manchmal bereits in jungem Alter aus dem Leistungssport genommen. Um ihnen auch danach ein erfülltes Leben zu bereiten, hat die Nürensdorferin Patricia Kern den Verein «Zweites Leben für Sportpferde» gegründet.

Vor vier Jahren endete die Sportkarriere von Remedial: Im Oktober 2015 bestritt die heute zwölfjährige Vollblutstute ihr letztes Rennen. Insgesamt ist Remedial – kurz Remy – an 39 Galopprennen in In- und Ausland gestartet. Dabei hat sie 8 Siege und 24 Plätze erreicht.

Mit ihren Leistungen hat die Schimmelstute ihren ehemaligen Besitzern eine Gewinnsumme von 160'000 Franken eingebracht. Ihre Spezialität war es, vom letzten Platz aus nach vorne zu sprinten, was ihr den Spitznamen «Schimmel-Turbo-Lady» einbrachte.

Ihre letzten Besitzer, die Stallgemeinschaft Allegra, suchte danach einen guten Platz für die Stute. Jedoch war ihr Rücken sehr empfindlich geworden und es war unklar, ob sie noch geritten werden konnte. «Deshalb entschied ich mich, Remedial zu übernehmen und ihr auf dem Burgstallhof ein zweites Leben zu ermöglichen», erklärt Patrica Kern, Präsidentin des Vereins «Zweites Leben für Sportpferde».


Die Stute Remedial war früher ein Rennpferd der Spitzenklasse.

Der Burgstallhof liegt etwa eine Viertelstunde ab der Schweizergrenze im Klettgau nahe des kleinen Dorfs Weisweil. Hier hat nicht nur Remedial ein neues Daheim gefunden – nebst ihr lebt hier ein weiteres Dutzend Vollblüter; allesamt ehemalige Sportpferde.

Jedes von ihnen hat seine eigene Geschichte, einige sind wie Wanderpokale von Stall zu Stall weitergegeben worden und erhalten im Burgstallhof endlich ein langfristiges Zuhause.

Mensch und Tier

Dieses Webspecial über Sportpferde ist Teil der ZU-Sommerserie, die sich mit der Beziehung von Mensch und Tier befasst.

Alle bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.

Auf dem Burgstallthof haben rund ein Dutzend Vollblüter endlich eine Heimat gefunden.

Auf dem Burgstallthof haben rund ein Dutzend Vollblüter endlich eine Heimat gefunden.

Kurze Karriere – langes Leben

Ab einjährig werden Sportpferde in Rennställen ausgebildet. Mit zwei dürfen sie ihr erstes Rennen bestreiten. Mit drei bis vier Jahren stehen die Rennpferde auf dem Zenit ihrer sportlichen Karriere. Es kommt teilweise vor, dass sie mit zehn Jahren immer noch aktiv Rennen bestreiten, wobei dies eher eine Ausnahme ist. Einige wenige wechseln nach dem Sport in den Freizeitbereich.

Doch lange nicht alle Pferde haben dieses Glück und können weitervermittelt werden. Viele von ihnen leiden an gesundheitlichen
Problemen. Und noch immer komme es vereinzelt vor, dass die Tiere zum Metzger gebracht werden. «Zurzeit findet im Pferderennsport jedoch ein Umdenken statt», weiss Patricia Kern. Viele Besitzer seien an einer nachhaltigen Lösung interessiert.

Da ein Pferd aber gut und gerne 30 Jahre alt wird, stellt sich die Frage, wo sie den Rest ihres Lebens würdig und artgerecht verbringen können.

Mit drei bis vier Jahren stehen Rennpferde auf dem Zenit ihrer Karriere. Doch ein Pferd wird gut und gerne 30 Jahre alt.

Vereinspräsidentin Patricia Kern lässt ihren Schützlingen alle Fürsorge angedeihen.

Vereinspräsidentin Patricia Kern lässt ihren Schützlingen alle Fürsorge angedeihen.

Um sich genau dieser Problematik anzunehmen, hat Patricia Kern mit ihrem Verein eine Möglichkeit gefunden, ehemaligen Sportpferden einen Lebensplatz zu bieten. Sie setzt sich dafür ein, dass das Leben eines Pferdes nach dem Leistungssport durchaus
ausgefüllt und schön sein kann.

Zusammen mit der langjährigen ehemaligen Pferdetrainerin Natalie Friberg, der Pferdeosteopathin Petra Brumann sowie Monica Geidemann, die als Privat- und Businesscoach tätig ist, bildet sie den Vorstand.

«Wir suchen hier für jedes Pferd eine geeignete Aufgabe und holen es genau dort ab, wo es steht»

Natalie Friberg (l.), Patricia Kern (m.) und Petra Brumann (r.) bilden mit Monica Geidemann (nicht im Bild) den Vorstand des Verein «Zweites Leben für Sportpferde».

Natalie Friberg (l.), Patricia Kern (m.) und Petra Brumann (r.) bilden mit Monica Geidemann (nicht im Bild) den Vorstand des Verein «Zweites Leben für Sportpferde».

Für jedes Tier die passende Beschäftigung

Die hochsensitiven Vollblutpferde, die sich ein sehr durchgetaktetes, leistungsorientiertes Leben gewöhnt sind, können jedoch
nicht einfach auf der Weide abgestellt werden.

Sie sind sich den ständigen Kontakt mit Menschen gewohnt und benötigen eine Beschäftigung. «Wir suchen hier für jedes Pferd eine geeignete Aufgabe und holen es genau dort ab, wo es steht», erklärt Natalie Friberg. Schimmelstute Remedial beispielsweise liebt Zirkuslektionen, Spaziergänge und Ausritte.

«Sie ist eigentlich für jeden Spass zu haben», sagt Patricia Kern. Andere Pferde mögen Parcoursspringen oder Longieren. Wenn es regnet, werden die Tiere auch einfach mal geputzt und gestreichelt, was sie sehr geniessen. Der Vorstand ist dafür besorgt, dass jeder ihrer Schützlinge regelmässig beschäftigt wird. Auch freiwillige Helfer und Paten verbringen viel Zeit mit den Tieren.


Rüebli als Belohnung ist bei allen gefragt.

Auf dem Burgstallhof werden die pensionierten Rennpferde auch nach ihrer Karriere mit unterschiedlichen Aufgaben beschäftigt.

Schimmelstute Remedial liebt Zirkuslektionen.

Welanus dagegen mag Longieren besonders gerne.

Streicheln geniessen die ehemaligen Spitzenathleten allesamt.

Da der Vorstand jedoch an die Grenzen seiner Möglichkeiten stösst, auch in finanzieller Hinsicht, gibt es einen Aufnahmestopp
für Notfälle.

«Wir benötigen dringend weitere Paten sowie Helfer», erklärt Patricia Kern. Wer sich einen Eindruck vom
Burgstallhof und der Arbeit des Vereins verschaffen möchte, kann dies am Sonntag, 8. September
(Verschiebedatum: 15. September), am «Tag der offenen Stalltüre» tun.

www.zweites-leben-fuer-sportpferde.ch

«Wir benötigen dringend weitere Paten und Helfer»

Das Leben auf dem Burgstallhof macht Mensch und Pferd gleichermassen Spass.

Das Leben auf dem Burgstallhof macht Mensch und Pferd gleichermassen Spass.

Das Leben auf dem Burgstallhof macht Mensch und Pferd gleichermassen Spass.

Das Leben auf dem Burgstallhof macht Mensch und Pferd gleichermassen Spass.

© Tamedia